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100er Zulassung am Wohnwagen - nur ein theoretischer Wert?
Mit welchen Mitteln die "100" in Deutschland ausgehebelt werden...

Themen mit politischem Bezug sind -zugegeben- auf transitfrei.de doch eher selten.
Wir hatten zwar mal was zum Thema Feinstaubplakette für unser altes Wohnmobil, das war´s aber auch. Liegt aber auch daran, dass wir hier auf transitfrei vornehmlich übers Reisen und über schöne Themen rund ums Camping berichten wollen!
Und nicht über Steuersätze auf Kraftstoffe, Mehrwertsteuer auf Übernachtungen oder Kurtaxe an tausend Jahre alten Stränden. Urlaub soll ja Freude machen!
Manchmal aber gibt es dann doch Themen, über die man auch mal berichten darf. Wir haben jetzt mal so ein konkretes Thema. Konkret geht es uns um die Gängelung tausender Gespannfahrer, die wie wir auf Basis der 9. Ausnahmeverordnung zur STVO mit einer zulässigen Geschwindigkeit von 100km/h unterwegs sind. Oder zumindest sein möchten!

         
     Wenn die 100er Zulassung am Wohnwagen dran ist...                    ...möchte ich auch gerne 100 km/h fahren!

Klar, dass die Wohnmobilfahrer unter euch (besonders, wenn sie mit einem Wohnmobil unter 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht unterwegs sind) an dieser Stelle nur müde lächeln und auf uns Wohnwagenschubser vielleicht mit etwas Mitleid herab sehen. Aber wir wollen auch gerne etwas zügiger ankommen und nicht kilometerlang hinter der immergleichen Werbeplane eines LKW hinterher tuckern!
Ist der Wohnwagen also technisch für einen Betrieb mit 100km/h ertüchtigt (Reifen nicht älter als 6 Jahre und für 120 km/h zugelassen, Stoßdämpfer, Auflaufbremse und Anti- Schlingerkupplung, usw.), möchte ich diese 100 dann aber bitte auch fahren!
Was wir aber mit großer Sorge zunehmend feststellen müssen, ist auf bestimmten Strecken ein räumlich über viele Kilometer eingerichtetes Überholverbot für LKW und Gespanne.

     Überholverbot für LKW und Gespanne
     Über viele VIELE Kilometer sollen wir nun hinter einem LKW mit 80 hertuckern, obwohl wir 100 fahren dürfen!

„Na und?“ werden jetzt viele reine PKW- Fahrer und auch Fahrer von Wohnmobilen jetzt sagen. „Das Überholverbot wird schon seinen Sinn haben, zum Beispiel sollen lange Elefantenrennen auf 2- spurigen Autobahnabschnitten mit starkem Verkehr halt vermieden werden!“
Und wisst ihr was: Das sehen wir genau so! In Baustellen, 2km davor oder an besonderen Gefahrenstellen mit vielen Ein- und Ausfahrten, im Bereich von Autobahnkreuzen oder Unfallschwerpunkten haben wir hierfür vollstes Verständnis! Dann sehen wir das als reine PKW- Fahrer genauso! An solchen Stellen müssen Elefantenrennen nicht sein. Egal, ob nun ein PKW mit Anhänger oder ein LKW.
Bedenklich wird die Sache aber, wenn man auf enorme räumliche Distanzen und in Bereichen gegängelt wird, wo die Autobahn auch teilweise dreispurig ausgebaut ist (und dennoch das Überholverbot besteht!) oder sich der Überholabschnitt über weit mehr, als nur übliche Gefahrenpunkte erschließt.
Die A 61 ab der Grenze Rheinland- Pfalz bis Ludwigshafen zum Beispiel. Fast überall ist das Überholen in dieser speziellen Konstellation für PKW und Anhänger sowie LKW verboten. Oder die A 5: 40 Kilometer (!) zwischen Baden-Baden und Offenburg! VIERZIG Kilometer hänge ich dann hinter einem LKW fest!! Und das sind bei weitem nicht die einzigen Einschränkungen! Auf der A 3, auf der A 8 und vielen weiteren „Transitstrecken“ in den Urlaub finden sich ähnlich lange Korridore, dessen Sinnhaftigkeit man bei diesen enormen Ausdehnungen doch zumindest mal anzweifeln darf!
Zumal man ja bitte das Schild mal ganz genau anschauen muss! Denn es vernietet das Überholen durch LKW und PKW mit Anhänger. Busse aber dürfen uneingeschränkt überholen! Und das sind ebenfalls Fahrzeuge, die nicht schneller als 100km/h fahren dürfen! Also sind sie doch genau so schnell wie wir! Oder etwa nicht? Warum also dürfen diese überholen, wir aber mit unserem 100er Gespann nicht?!

Für die Antwort auf diese Frage muss man sich gedanklich ein klein wenig von seinem eigenen Gespann lösen. Denn nicht alle zugelassenen Anhänger in Deutschland haben ja eine 100er Zulassung! Würden wir schätzen müssen (was uns halt auf der Autobahn begegnet), würden wir die Quote bei etwa 60% sehen. Bei den Bussen hingegen hat praktisch jeder Bus, der uns unterwegs schon überholt hat, das 100er Bapperl hinten drauf.
Also können wir uns schon vorstellen, dass das Überholverbot für LKW und Gespanne sich weniger auf die Fahrzeuge, sondern viel mehr auf die damit kleinste mögliche Geschwindigkeit bezieht. Und die ist bei LKW und Standard- Gespannen offiziell nunmal 80 km/h.
Die Lösung darf aber dann nicht sein, dass Tausende von Gespannfahrern mit einer 100er Zulassung hier mit in diese Klasse gesteckt werden, obwohl sie mitunter viel Geld und Mühe für eine Zulassung für 100 km/h investiert haben!
Diese Leute werden um die Möglichkeit auch mal 100 fahren zu  können z.B. auf besagter A 5 zwischen Karlsruhe und Basel auf mal eben 40km (!) hieran gehindert!
Daran muss sich etwas ändern!

Nun gehören wir allerdings nicht zu denjenigen, die einfach nur meckern! Das ist nicht unsere Art, meckern ohne Lösungen kann jeder. Daher haben wir uns Gedanken gemacht, wie man die Gespannfahrer mit 100 km/h- Zulassung von den Standard- Anhängern mit lediglich 80 km/h abgrenzen kann.  Ein entsprechendes Symbol oder ein Piktogramm muss her, was eindeutig ist und von jedem verstanden werden kann.
Und da haben wir mal etwas vorbereitet!
Schaut mal bitte hier:

    
     Eindeutig, oder? Überholverbot! Wer min. 100 fährt, darf aber.

Na, wird sofort klar, was wir damit sagen wollen?
Es gilt auf dieser Strecke grundsätzlich Überholverbot. Es sei denn, das Fahrzeug (egal welches und in welcher Ausführung) ist für mindestens 100 km/h zugelassen und erreicht diese Geschwindigkeit auch!
Oder anders gesagt: Du darfst überholen, aber nur, wenn du 100 fährst!
Unsere Idee birgt weitere Vorteile:
- Es sind nur noch 2 Infos aus dem Schild zu entnehmen, nämlich das Überholverbot und die Freigabe für die Fahrzeuge, die mindestens 100 fahren können. Das alte Schild beinhaltet 3 Informationen, nämlich 1.) das Überholverbot 2.) mit der Begrenzung für LKW und 3.) für PKW mit Anhänger.
- Busse und PKW mit 100 km/h Mindestgeschwindigkeit sind nun gleichgestellt und können überholen, ohne dass die Piktogramme bunt durchgemischt werden müssen!
Nicht umsonst gab (und gibt) es ja auch noch immer das reine "LKW- Überholverbotsschild", welches nach wie vor verwendet werden kann, wenn das Überholverbot fahrzeugbezogen ausgesprochen werden soll. Wie zum Beispiel in einer Baustelle, auch hier wird man aufgrund der verengten Fahrbahn oder aus Sicherheitsgründen natürlich auch weiterhin das Schild „Überholverbot für Busse, LKW und PKW mit Anhänger vorfinden.

Wir haben uns natürlich gefragt, ob unser Schild auch von Externen sofort verstanden werden würde. Also haben wir uns die Mühe gemacht, unsere Kreation in gleich 2 Internetforen einmal vorzustellen und um Meinungen gebeten:

Bestärkt durch die zahlreichen Rückmeldungen haben wir unseren Vorschlag schlussendlich den „Offiziellen“ vorgestellt. Muss ja vorwärts gehen! Zu aller Erst natürlich dem ADAC. Der Lobby für uns Auto- und Kraftfahrer! Die müssen doch schon von sich aus ein gesteigertes Interesse daran haben, dass wir auf unseren Straßen nicht noch weiter gegängelt werden und gegen unsinnige Dauerüberholabschnitte auf 20, 30, 40 Kilometer und mehr angehen! Dann natürlich auch an das Bundesverkehrsministerium.
Umso ernüchternder war dann allerdings die Antwort des ADAC! Dies hätten wir so nicht erwartet!
Recht einsilbig antwortet man uns, dass ein solches Schild nicht verständlich sei. Hallo?! Gründe hierzu, weitere Ausführungen warum nicht oder wenigstens irgendwas außer einen Lippenbekenntnis zur allgemeinen Problematik wäre schon nett gewesen!

    
     Antwortschreiben des ADAC. Ein bisschen einsilbig und in der Sache wenig hilfreich. Meint ihr nicht?!

Deutlich umfangreicher ist da schon die Antwort des Bundesverkehrsministeriums ausgefallen, welches wir natürlich ebenfalls angeschrieben haben. Hier wird zumindest darauf eingegangen, warum es rechtlich nicht möglich ist, eine solche Schilderkombination aufzustellen.
Zwar nicht so, dass das sofort jeder Laie versteht, aber immerhin haben sie sich im Ministerium mit der Beantwortung der Frage etwas mehr Mühe gegeben.

    

    

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Zweiter Teil: Weitere Überlegungen...

Im Nachgang zu dieser Antwort haben wir uns natürlich weitere Gedanken gemacht. Vereinfachen?! Besser verständlich machen?! OK! Auch das können wir und zeigen mal eine überarbeitete deutlich einfachere Variante:

    
     Jetzt wird es eindeutig ganz ohne Überholverbot, oder? 100 oder rechts fahren!

Jetzt ist es doch wirklich eindeutig klar, was wir hier meinen, oder?
Wer die Mindestgeschwindigkeit von 100 km/h nicht erreicht, hat schlichtweg auf der mittleren oder linken Fahrspur nichts verloren! Punkt.
Nur noch ein Schild, ganz easy, ohne Überholverbot, ohne irgendwas.
Wir waren schon versucht, dieses Schild nun erneut dem ADAC und auch dem Bundesverkehrsministerium zur fachlichen Prüfung vorzulegen. Allerdings wären die Änderungen, die bei Umsetzung dieser Idee erforderlich wären, weitaus umfangreicher, als man auf den ersten Blick denkt!
Warum, nun seht es mal so:
Nehmen wir die Gespannfahrer. Überholen sie trotz Überholverbot, sind 70 Euro Bußgeld fällig.
Sattes Sümmchen für das klamme Staatssäckchen, nicht war? Aber wenn man so recht drüber nachdenkt, trifft dieses Überholverbot natürlich nicht nur die Gespannfahrer, sondern auch im Besonderen die LKW- Kutscher! Die haben ja das gleiche Problem, obgleich man bei deren annähernd gleichen Geschwindigkeiten ja auch von anderen Grundbedingungen ausgehen muss. Dennoch: Überholt unser LKW- Fahrer trotz Überholverbot, ist ja auch er mit mindestens 70 Euro dabei.

Führen wir aber das nun neu entworfene Schild mit der Mindestgeschwindigkeit „100“ für die mittlere und rechte Fahrspur ein, was passiert dann im Falle eines Verstoßes?
Also wenn doch mal ein Gespannfahrer die 100 (trotz Zulassung) nicht schafft?
Hierzu mussten wir ein wenig recherchieren! Das Unterschreiten der Mindestgeschwindigkeit stellt zwar eine Ordnungswidrigkeit schon (§49 (3) Nr. 4) dar, da eine durch Vorschriftzeichen gegebene Anordnung nicht befolgt wird, der Bußgeldkatalog aber sieht hierfür keine eigene Sanktion vor!
Das bedeutet, dass nach aktuellem Rechtsstand ein Missachten der Mindestgeschwindigkeit allein noch kein Bußgeld auslöst. Allenfalls wäre z.B. denkbar, dass die Straßenverkehrsbehörde hieraus mit etwas Glück einen Tatbestand des „nicht wesentlich schneller gefahren zu sein, als der Überholte“ basteln kann. Rechtlich aber mindestens angreifbar und bei weitem nicht so eindeutig, wie ein klassischer Verstoß gegen das Überholverbot.
Man würde sich ja in Berlin die Möglichkeit nehmen, hierfür weiter gutes Geld bei den Bürgern einzutreiben, die nach 30, 40 oder mehr Kilometern irgendwann verständlicherweise die Nerven verlieren! Egal, ob nun Brummi oder 100-er Gespann!
Und von dieser uns selbst gegebenen „Lösung“ frei nach dem Motto „qui bono“ (lat. Wem zum Vorteil?) wird man diese Melkkuh der Gespann- und Caravanfahrer auch in Zukunft wohl nicht anpacken.

Wie ist eure Meinung dazu? Habt ihr bereits Erfahrungen mit Gespannen bzw. Anhängern und anhaltendem Überholverbot auf langen Strecken gemacht? Wie habt ihr das überstanden? Augen zu, links raus und verbotenerweise durch? Oder brav geblieben und hinter dem LKW hergezuckelt, auch wenn es schwer fiel?
Diskutiert mit uns, zum Beispiel auf unserer Facebook- Seite oder auch in unserem Gästebuch! Wir sind gespannt, wie ihr dieses Thema seht!

Und wenn euch seriöse Aktionen (von Verbänden, Fachzeitschriften, Petitionen, Clubs und Verbänden, etc.) bekannt sind, die gegen diese unverhältnismäßig hohe Gängelung der Gespannfahrer vorgeht, gebt uns bitte auch Bescheid! Gerne verlinken wir hier auf diese Aktionen und helfen somit weiter mit, diesen Einschränkungen entgegen zu wirken!

Euer Team Transitfrei - Nils, Anja & Björn

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Februar 2015: Wir mögen die Situation nicht ändern können, aber wir können euch helfen, mit den Überholverboten zumindest besser umzugehen!
Sei es, weil ihr euch unterwegs nun endlich auf die Länge eines Überholverbots einstellen könnt, oder weil ihr ab sofort mit unserer Karte
und Tabelle mit einer Übersicht über alle Überholverbote in Deutschland eure Route so planen könnt, dass ihr die Überholverbote
für Gespanne soweit wie möglich vermeiden könnt!
Schaut doch mal rein:

 

Übersicht über alle Überholverbote für Gespanne in Deutschland!

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