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Vorgeschichte, Prolog und Vorabend der Reise: 09.08.07

Das Wohnmobil steht ungenutzt bei uns vor der Tür.
Das ist Mist!

Aber wir haben 2 gute Gründe, warum wir endlich mal wieder eine kleine Ausflugstour übers Wochenende machen sollten.

Im Herbst wollen wir nach Schottland. Mit dem Wohnmobil.
Wir haben bereits den Zug "Eurostar/le Shuttle" für die Hinfahrt und die Fähre für die Rückfahrt ab Newcastle gebucht.
Für diese Tour gehen wir davon aus, dass wir auch das ein oder andere Mal (ideal wäre allein aus Kostengründen ein 50:50 Mix) auch frei stehen können. Doch um überhaupt frei stehen zu können, ist eine funktionierende Bordausrüstung unbedingt erforderlich. Wir haben in den letzten Wochen einige dringende Arbeiten am Wohnmobil durchgeführt. Unter anderem haben wir die Batterie 2 des Aufbaus ausgetauscht und den Kühlschrank wieder für Gasbetrieb ertüchtigt. Unsere Modernisierungen funktionieren problemlos bei uns zuhause in der Einfahrt, aber werden sie sich auch im Praxistest beweisen?

Und schon haben wir den ersten Grund, eine kleine Generalprobe unter realen Gefechtsbedingungen wäre doch genau das richtige.
Einmal für das Fahrzeug um zu testen, ob nun alles funktioniert und einmal für uns, weil wir auch mal frei stehen wollen und wir damit dem bedrückenden Gefühl begegnen wollen, dass wir irgendwo ungeschützt am Straßenrand stehen.
Da wir leider immer noch Bedenken wegen frei stehen haben, Frankreich oft wegen Camperüberfällen in den Nachrichten kommt (meist jedoch Südfrankreich an Raststätten) und unsere Fähre morgens um halb 5 abfährt, benötigen wir einen sicheren Schlafplatz am Eurotunnel.
Wir wollen stressfrei am Vorabend anreisen, uns möglichst früh schlafen legen und dann ausgeruht in den Euroshuttle einfahren. Man kann auch zuhause in der Nacht los fahren, aber man braucht schon so um 5 Stunden ohne Sicherheitsreserve bis man mit dem langsamen Wohnmobil in Calais ankommt.
Bei einer Abfahrt um halb 5, und eine halbe Stunde vorher einchecken würde das faktisch keinen Schlaf bedeuten und eine Nachtfahrt zur Folge haben.
Ich habe gelesen, dass in England (im Gegensatz zu Schottland) das freie Stehen nicht gestattet wäre und unausgeschlafen sich gleich dem Linksverkehr stellen wollen wir uns auch nicht.
Also ist die Übernachtung in Calais möglichst nah am Eurotunnel unbedingt erforderlich.
Da wir noch nicht so genau wissen, wann wir wo und wie ankommen und wir auch keine Lust in Anbetracht der zu erwartenden kurzen Nacht die Zeit lange mit Stellplatzsuche zu verschwenden, wäre es ideal schon vorher zu wissen, was einen erwartet und wie es vor Ort aussieht.
Und damit haben wir neben dem zweiten Reisegrund auch gleich das Reiseziel: Die Gegend um Calais bei Frankreich!
Frankreich selbst ist wunderschön. Wir waren vor einigen Jahren bereits an der Opalküste, haben in einem kostengünstigen Etap geschlafen und ein wunderschönes verlängertes Wochenende an der Cote d´Opale verbracht. Damals mit dem PKW haben wir aber nichtmal ansatzweise daran gedacht, an mögliche Wohnmobilplätze zu denken. War ja lange vor unserer ersten Begegnung mit Wohnmobilen im denkwürdigen Juni 2006.

 

Donnerstag, 09 August 2007, der Tag vor der Abreise

Wenn wir am Freitag gleich nach der Arbeit los wollen, dann muss das Wohnmobil fertig eingeräumt und startklar sein. Anders geht es zeitig nicht. Mit etwas Glück und freier Autobahn können wir zwischen 21 und 22 Uhr an der französischen Küste sein, wenn wir es zeitig so gegen 16 Uhr von zuhause schaffen abzufahren.
De Han bzw. Ostende ist etwa 300 Kilometer von uns entfernt, Calais nochmal etwa 120 Kilometer weiter.
Da wir in Richtung Aachen fahren, macht es bei dieser Reise diesmal keinen Sinn Anja in Duisburg von der Arbeit abzuholen.
Würde ich sie abholen, würden wir für die Route auch die Strecke über Aachen nehmen müssen und wären mit dem Wohnmobil noch langsamer, als die Zeit, die Anja mit der Bahn benötigt.

Und wir müssen den Sprit für das Wohnmobil nicht schon vorher verschwenden.
Wir leben ja quasi an der A 4, hier vom Kreuz Kerpen ist Aachen was um 65 km entfernt.
Also kommen wir beide von der Arbeit erst mal nach Hause.
Geht zwar gegen den Zeitfaktor, alles andere macht aber keinen Sinn.
Wir überlegen erst am Samstag früh zu fahren, vergessen diesen Gedanken aber gleich wieder.
Immerhin haben wir bei einer Freitagsanreise den ganzen Samstag direkt vor Ort und sind ausgeruht.
Das ist mehr wert, als ein Freitag Abend und eine Nacht zuhause.

Nachdem wir unser Wohnmobil vorgeladen haben (Vorräte ergänzen, Anziehsachen und Lebensmittel einladen, Kartenmaterial bereit stellen, etc) macht mich Anja auf ein kleines Problem aufmerksam.
Wir wollten gerade zurück zum Haus gehen und haben Wohni nochmal über die Motorhaube gestreichelt, da sieht Anja einen Plattfuss vorne am rechten Reifen der Beifahrerseite.
Ich kann es kaum glauben: Der Reifen ist tatsächlich platt!
Ja Herrschaft, muss das jetzt sein?

Zunächst blicken wir beide rat- und hilflos auf das platte Ding und wissen nicht so genau, was wir nun an dieser Stelle machen sollen.
Erstmal gehen wir aber dann wieder rein, weil das Wetter uns mit Regen nicht gerade gnädig gesinnt ist.
Drinnen überlegen wir, was zu tun ist, ob wir absagen, ob ich den Reifen morgen bekommen kann und ob wir in Anbetracht der zusätzlichen finanziellen Belastung überhaupt morgen weg fahren sollen.

         
     Wir wollen Wohni gerade Gute Nacht sagen, da fällt uns der platte Reifen auf :-(

Spekulation nützt aber nichts, wenn wir nicht ein paar Fakten zur Situation vorliegen haben.
Ich will mal das Internet nach Preisen konsultieren, habe mir klugerweise die Reifengröße abgeschrieben.
Beim Reifenhändler meines Vertrauens brauche ich wohl nicht mehr anrufen, es ist weit nach 19 Uhr.
185 R 14 C. Habe extra zweimal geschaut, aber die Nummer stimmt.
Komisch. Normalerweise hat der Reifen doch auch eine Flanke.
So wie beim PKW: 185/50 R15 das wäre z.B. die Größe bei meinen PKW-Reifen.
Aber hier gleich nach der Reifengröße (185) die Felge (14) ?
Na mal sehen.
Ich checke Reifen.com kann aber die Reifen nicht auswählen.
Auch über die Fahrzeugsuche finde ich den Wagen nicht. Der Duc ist zwar in der Datei drin, aber nur die neueren. Und die haben wohl alle 15 Zoll Felgen.
Na bestens, ich bekomme Angst. Ob unsere Reifengröße vielleicht so ein Kack- Exot ist?
Ein Reifen, der drei Wochen im Voraus bestellt werden muss und bei Pech gar nicht mehr zu bekommen ist?

Ich schreibe einen Hilferuf in meinem für Wohnmobile absoluten Lieblingsforum wohnmobilforum.de
Ich schreibe, dass ich min. einen Reifen meiner Größe für morgen bräuchte und ich diese auf Anhieb im Web nicht finden konnte und ob vielleicht jemand solche Reifen zufällig gegen Entgelt oder zum Ausleihen hat.
Zu meinem Glück kommen recht schnell ein paar sehr gute Antworten, dass der Reifen durchaus aktuell wäre und u.a. auch bei VW auf den Transportern eingesetzt wird. Das wusste ich bis dato nicht.
Die Größe sollte also auf Lager sein und wenn es Händler 1 nicht hat, dann auf jeden Fall Händler 2.
Auch einige Tipps für meine direkte Nachbarschaft bekomme ich, wo andere Wohnmobilfahrer/-rinnen die Reifen ohne Wartezeit sofort montiert bekommen haben.
Na das schafft doch Hoffnung.
Können wir morgen trotz notwendigem Reifenwechsel zeitig los kommen?
Anja kommt um gegen kurz vor 4 nach Hause, ich kann dank meiner näher zum Wohnort gelegenen Arbeitsstätte bereits zur Mittagszeit schaffen. Mit etwas Glück wäre ich gegen 2 zu Haus.
Reichen 1,5-2 Stunden für einen neuen Reifen ?

Ich überlege kurz ob es Sinn macht auf dem Ersatzreifen zu fahren und dann im möglichen Pannenfall eben ohne da zu stehen. Der ADAC sollte uns ja mittlerweile kennen...

Ich weiß jedoch, wie der Ersatzreifen aussieht und in welchem Zustand er ist. Wir hatten den ja in Börgerende mal ausgebaut wegen dem Kupplungsseil, das dort damals gerissen war.
Besonders fit ist der nicht. Rein optisch sieht der aus, als wäre das noch der erste, der 1984 zusammen mit diesem Fahrzeug ausgeliefert wurde.
Wenn meine Vermutung stimmt, wie lange wird der Reifen dann wohl laufen?
Nein, das macht alles keinen Sinn, am besten ist es den noch guten Reifen links als künftigen neuen Ersatzreifen zu verwenden.
Den kaputten Reifen und den Methusalem- Ersatzreifen ersetzen wir dann durch 2 neue.
Also gleich 2 Reifen, statt nur einem. Kostet zwar, aber ist die einzige logische Lösung.
Um dies jedoch möglich zu machen, kann ich mir die Felge mit dem defekten Reifen nicht in den Kofferraum vom Bravo schmeißen, hierfür muss ich mit dem Wohnmobil zum Reifenhändler fahren.
Ein weiteres Problem, denn ich müsste ja erst mal den Reifen wechseln um das Wohnmobil überhaupt wieder in Bewegung versetzen zu können.
Dafür bleibt morgen keine Zeit, zumal ich am Wohni noch nie einen Reifen gewechselt habe.
Am PKW kein Problem, aber ob das auch am Wohnmobil einfach so mit den Bordmitteln geht?
Ein idealer Test für Schottland!
Es regnet und es geht ein guter Wind, dennoch entscheide ich mich den Reifen zu wechseln.
Quasi unter schottischen Real-Bedingungen mit dem vorhandenen Bordwerkzeug.

Der Regen ist fies und wird mir durch den Wind in den Nacken getrieben, es ist mittlerweile 20:15 Uhr, die Dämmerung hat bereits eingesetzt.
Dennoch beginne ich mit dem Reifenwechsel.
Der Scherenwagenheber ist einfach zu bedienen, am Rahmen des Fahrzeugs ist eine einfach vorzufindende Ausbuchtung für den Wagenheber.
Ich bin überrascht, der Reifen lässt sich mit dem bordeigenen Schraubenschlüssel lösen und das ganze Wohnmobil dann mit dem Heber gut und durch kluge Anordnung der physikalischen Hebelmöglichkeiten auch ohne besondere Kraftanstrengung problemlos anheben.
Nach nur 30 Minuten ist der Spuck vorbei und das Wohnmobil wieder abgelassen.

Ich bin stolz auf mich selbst, so können wir morgen zum Reifentandler fahren und ich bin um die Erfahrung reicher, dass auch der Reifenwechsel beim Wohnmobil kein Kunststück ist.

Was mich besorgt stimmt ist die Tatsache, dass der Reifen wohl vorsätzlich und mutwillig zerstört wurde. Ich habe bereits den Eindruck, als ich den Reifen abmontiere. Ein paar Bilder stelle ich ins Wohnmobilforum, eine 100%-ige Zustimmung ist die Folge.

    
      Na, wonach sieht das wohl aus?


 
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