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Das Wohnmobil als Zweitwagen im Härtetest: Ein Erfahrungsbericht

Das Wohnmobil als Zweitwagen?
Oder anders: ein kleiner Erlebnisbericht, wie unser Wohnmobil ungewollt für etwas mehr wie eine Woche zum Zweitwagen wurde.
So mach einer würde sich gern den mobilen Traum vom eigenen Wohnmobil erfüllen.
Dann stellt sich aber die Frage, wie man dies finanzieren kann.

Eine Option ist mit Sicherheit das Wohnmobil als Alltagsfahrzeug zu verwenden und das Familienauto zu verkaufen.
Dies halte ich jedoch persönlich für eher unpraktikabel.
Mal fix in die Innenstadt ins Parkhaus oder eben zum Bäcker um die Ecke ist mit dem Wohnmobil besonders in Ballungszentren schwierig. Gut, es gibt hartgesottene, die das Wohnmobil als alleiniges Fahrzeug nutzen.
Ich hätte da jedoch ein Problem mit der Wirtschaftlichkeit, wenn ich jeden Morgen meinen Kühlschrank unnötigerweise zur Arbeit spazieren fahre.
Eine weitere Möglichkeit ist die Verwendung des Wohnmobils als Zweitwagen zum Hauptfahrzeug.
Dies ist meist für Familien interessant, wo 2 Autos benötigt werden.
Meist ist der Zweitwagen nur fürs Einkaufen oder um die Kleinen in die Schule zu fahren.
Aber auch hier leidet die Wirtschaftlichkeit, mal abgesehen von den lustigen oder neidischen Blicken auf dem Schulhof, wenn Mutti souverän und wohl gelaunt die lieben Kinderchen mit einem 7 Meter- Schiff zur Schule fährt. Da wird man so manches Kopfschütteln der anderen Mütter freundllich lächeldn erwiedert.
Und stellen sie sich den unschätzbaren Vorteil vor, wenn sie morgens als halber Schulbus die Kinder der Nachbarschaft einsammeln können. :-D

Auch wir brauchen 2 Autos.
Jeder von uns beiden ist berufstätig, benötigt sein Fahrzeug für den täglichen Weg zur Arbeit.
Wir wohnen im Kölner Vorort Kerpen mit regionaler öffentlicher Nahverkehrsanbindung, das Auto nutzt jeder um damit zum nächsten Bahnhof zu kommen.
Auch wir haben uns mit diesem Gedanken getragen das Wohnmobil als Ersatz für eines dieser Fahrzeuge zu nutzen und so die Kosten für das Wohnmobil zu minimieren. Dann allerdings haben wir uns gegen diesen Plan und dafür entschieden das Wohnmobil zusätzlich zu unseren beiden Autos zu kaufen und auch nur als reines Freizeitfahrzeug, als Drittwagen zu nutzen.

Aus mehreren Gründen:
Ich persönlich wünsche mir ein vernünftiges Auto, mit dem auch mal längere Strecken komfortabel und schnell zurücklegen kann.
Und ein Auto muss Spaß machen!
Hierfür habe ich mich vor 3 Jahren für einen Fiat Bravo mit über 100 PS entschieden. 16Ventile, 
2-Türer, leicht und wendig und auch bei sportlicher Fahrweise ein Verbrauch von um 8 Liter Super-Benzin, das geht noch so gerade und eine "flotte Fahrt" kann ich mir auch mal leisten.
Auto ist für mich Emotion, der Bravo ist als „Italo-Star“ genau das richtige für den Anfang-30er wie mich.

Anja hingegen möchte gern an ihrem Kleinwagen festhalten, sie denkt rational und hat eine emotionslose Beziehung zu ihrem Auto. „Hauptsache es bringt mich von A nach B“.
Sie wünscht sich ein Auto, das möglichst wenig Sprit verbraucht und bequem in jede Parklücke passt.
Daher hat sie einen kleinen Fiat Cinquecento mit 45 PS.
Reicht dicke für die täglichen Fahrten von und zum Bahnhof und um auf dem Rückweg mal hier und da anhalten zu können...

         
     Anja´s "rotes Schlumpfmobil"                                                  Mein 16V-Italo-Sportler


Und wenn wir doch mal eine längere Tour am Wochenende mit dem PKW unternehmen oder auch mal jemand einzeln eine längere Strecke fahren muss, haben wir ja den Bravo.
Nun stellt sich für uns die Frage, welches Auto kann das Wohnmobil ersetzen?
Mit dem Wohnmobil zum Bahnhof? Am P&R parken? In den kleinen Lücken?
Geht das überhaupt? Und wenn ich nach der Arbeit auf dem Weg heim noch fix beim Supermarkt anhalten muss?
Geht das auch?
Und statt 1x im Monat vielleicht künftig 2x im Monat tanken (Verbrauch Cinquecento: 5-6 Liter, Verbrauch Wohnmobil: 11-12 Liter)

Oder kann das Wohnmobil zum Beispiel so viel „Emotion“ auslösen, dass ich mich damit auf der Autobahn wohl fühle?
So richtig passt das Wohnmobil in keine unserer beiden Ansichten vor Anforderungen an einen PKW.
Die einzige Möglichkeit, die wir nach einigen Diskussionen sehen, bestünde darin, dass Anja ihren Wagen abgibt und als Entschädigung quasi mit meinem PKW ihre täglichen Fahrten übernimmt, fürs Pendeln zum Bahnhof nutze ich dann das Wohnmobil.
Der Cinque ist allerdings nicht mehr viel wert, lohnt sich das wirklich den zu verkaufen?

Aber irgendwie will keiner von uns beiden auf sein Auto verzichten und so kauften wir unser Wohnmobil zunächst als „Drittwagen“ und nutzen es auch nur entsprechend für unsere Reisen.
Vorteil: Wir können ein Saisonkennzeichen für das Wohnmobil nehmen und sparen so ein wenig an Steuer und Versicherung.
Wer will schon im Winter campen? Brrrrrr, viel zu kalt.


Nun trug es sich jedoch zu, dass nach unserer Schottlandreise bei Anjas Wagen der TÜV anstand und eine von uns bei ATU beauftrage Mängeluntersuchung ergab eine sehr laaaange Liste mit Dingen, die sich leider nicht innerhalb eines oder zwei Tagen erledigen ließen.
Ich selbst hatte mich an einem Wochenende davor schon um diverse kaputte Lämpchen und das Austauschen des Auspuffes gekümmert, dies war jedoch noch nicht das Ende der Fahnenstange.
Alles in allem mussten wir mit einer Ausfallzeit von ca. 1 Woche rechnen.

Das würde normalerweise bedeuten, dass wir uns beide einschränken müssten und uns das verbliebene Auto teilen würden. Aber dieses Jahr nicht!
Heldenhaft und mutig, immer in Sorge um die Sicherheit und Bequemlichkeit meiner lieben Frau erklärte ich, dass sie diese besagte Ausfallwoche meinen PKW haben kann und ich nun den „Ernstfall“ praktiziere.
Oder anders ausgedrückt: Sie geht morgens als erstes aus dem Haus und hat die freie Wahl aus den möglichen Verkehrsmitteln zu wählen.
Man muss kein Genie sein um sich vorzustellen, dass ich nach Verlassen des Hauses nur noch "den weißen Panzer" vorfinde.
Dies ist aber auch ein idealer Test, wie sich ein 84er Wohnmobil im harten Alltagseinsatz bewähren würde.

    

Ob nun gut oder nicht kam noch ein weiterer Umstand hinzu:
Genau in der Ausfallwoche des kleinen roten Stadtflitzers hatte ich Urlaub genommen, um mich im Rahmen der Prüfungsvorbereitungswoche auf die Grundlagenprüfung zum Verkehrsfachwirt für Güterverkehr bei der IHK vorzubereiten. Meine Schule bot hierzu eine Intensivlernwoche an, wo die Dozenten nochmals alle besprochenen Themen durchgehen wollten. Also Unterricht von Montag bis Samstag, anstelle der üblichen alleinigen Wochenendunterrichte.
Dies bedeutete, dass ich nicht wie sonst üblich knapp 9km nach Horrem zum Bahnhof fahren müsste, sondern nach Hürth-Knapsack zur Schule fahren würde.
Dies sind immerhin gute 20 Kilometer pro Richtung und ein Zug oder einen Bus in diese Richtung gibt es nicht.


Montag, 07:30 Uhr:
Kilometerstand 178.689
Es ist kalt draußen, zwar noch nicht so kalt wie vor ein paar Tagen in Schottland, aber es ist kalt.
Und wir haben die letzten Tage und Nächte (eigentlich seit der Rückkehr aus Schottland) nicht mehr am Strom gestanden oder das Wohnmobil bewegt. Ob unsere Batterie startet? Ich weiß nicht genau, wie alt der treue Saftspender ist, aber wenn Wohni im Alltag eingesetzt werden will, dass muss ich mich morgens auch bei Kälte darauf verlassen können.
Ich drehe meinen Schlüssel und...:
Die Batterie startet, Wohni nagelt zwar ein wenig und rußt, aber er läuft…

Auf dem Weg zur Schule komme ich beim Bäcker vorbei. Jetzt ein lecker Fleischwurstbrötchen, das wäre was…
Aber hier mal eben in 2ter Reihe anhalten ist nicht. Mit dem PKW stehe ich verbotener Weise schon immer halb auf der Straße, mit dem Wohnmobil würde ich die Straße definitiv blockieren.
Wir sind ja nicht in Afrika wo man einfach da stehen bleiben kann, wo es einem gerade gefällt.
Nützt ja nichts, also ohne ein Frühstücksbrötchen weiter geradeaus.
Beim kleinen Rewe- Supermarkt in Türnich halte ich dann aber doch an und kaufe mir drinnen einen Kakao und was vom Bäcker.
Ich muss zwar mit dem Wohnmobil etwas weiter hinten parken und 1,4 freie Parkbuchten belegen, aber zu meinem Glück ist der Parkplatz um diese Uhrzeit noch leer.

Hat auch ein gutes, der Kakao vom Supermarkt ist natürlich billiger, als der vom Bäcker. Wieder was gespart…
Was die Fahrtzeit angeht muss ich sagen, dass besonders das Stück Landstraße zwischen Türnich und Hürth Zeit kostet.
Kann man mit dem PKW hier die erlaubten Geschwindigkeiten sagen wir mal „voll ausnutzen“ kommt man mit dem Wohnmobil wie gewohnt nur so mit etwa 90 km/h voran. Bis 100 zu treten macht wenig Sinn, hat man nach etlichen Kilometern endlich die 100 erreicht, muss man schon wieder bremsen, weil die nächste Kreuzung kommt.
Auch Kreuzungen und Kurven wollen allgemein langsamer durchfahren werden, die gesamte Durchschnittsgeschwindigkeit sinkt dramatisch. Warum ist mir das eigentlich während unserer Reisen noch nie so bewusst geworden?

Und ich muss mich daran gewöhnen auf den freien Abschnitten überholt zu werden. Habe ich früher mit dem PKW selbst auf den Landstraßen überholt, rauschen nun sogar Kleinwagen und Reiscracker an mir vorbei.
Sogar ein Opa mit Hut hat mich überholt. Welche Schmach…
An der Ampel stehe ich dann quasi zur Belohnung „weiter hinten“. Na wenigstens hat man von hier oben den totalen Überblick und kann gut über die anderen Autodächer hinweg vorausschauend fahren...:
"Warum bremst der Trottel vor mir denn nun???"
"Ach ja, der hat halt noch nicht gesehen, dass der ganz vorne schon wieder Gas gibt, da brauch ich ja zum Glück nur rollen lassen…"

Aber: ich brauche nun mit dem Wohnmobil alles in allem gegenüber dem PKW etwa 5-8 Minuten pro Richtung länger an Fahrtzeit. Das macht pro Tag 10-15 Minuten Freizeit weniger…
Das muss ich morgen einplanen, wenn ich nicht zu spät kommen will, so komme ich kurz vor knapp an der Schule an.
Ganz vorne ist was frei, aber die Lücke wäre selbst mit dem Bravo fast zu eng geworden, so muss ich durchfahren bis zum Schluss des Parkplatzes.
Zu meinem Glück sind die Parkbuchten hier auf dem Schulgelände etwa 6 Meter lang, so kann ich problemlos einparken.
Aber auch hier brauche ich eigentlich 1,5 Plätze in der Breite, sodass ich ganz nach hinten durch fahren muss, wo noch alles frei ist.
Ich verliere durch den anschließenden weiteren Fußmarsch erneute 1-2 Minuten…
Auf dem Heimweg verhält es sich dann ähnlich. Kann manim Berufsverkehr noch vorausschauend fahren, wird es auf freien Stücken schnell langweilig, weil man nicht wirklich vowärts kommt.

So verhält es sich eigentlich die ganze Woche.
Die gleiche Tretmühle wie sonst, nur das die Wege allgemein etwas länger dauern:
Mit dem 84er 75PS- Wohnmobil durch die Hast des Alltages? Da kann es definitiv nicht mithalten !...


Donnerstag Anruf von ATU:
„Ja wie? Sie brauchen noch bis Dienstag?, Hmm einige Ersatzteile und die benötigte Scheibe noch nicht da. Verstehe. Ja gut, dann eben Dienstag. Nein nein, es macht keine Umstände…“
Also dann eben nächste Woche Montag und Dienstag auch noch mit dem Wohnmobil unterwegs sein, bis jetzt hat es doch super geklappt, ich kann mich wirklich nicht beklagen.
Aber ab nächster Woche muss ich wieder zur Arbeit und bin somit wieder zum Bahnhof unterwegs.
Der P&R muss dann mein Dickschiff aufnehmen können.
Ob das was wird?

Es wird, zwar muss ich auch hier ganz hinten parken und 2 Parkplätze belegen, aber es geht.
Sorge habe ich natürlich, dass ich eventuell ein Knöllchen bekommen könnte, denn der Parkplatz am Bahnhof ist mittels Zusatzschild offiziell nur für PKW zugelassen.
Ob mein Wohnmobil als PKW gilt?
Entweder hatte ich Glück oder es wurde nicht beanstandet, jedenfalls habe ich die wenigen Tage am Bahnhof ohne Knolle ganz gut überstanden.

Mein Fazit "mit dem Wohnmobil als Zweit- oder Erstwagen":
Als Reservelösung für den Ausfall eines Fahrzeugs ist unser Wohnmobil allemal zu gebrauchen.
Für mich persönlich allerdings ist der dauerhafte Einsatz als Alltagsfahrzeug einfach nicht zu empfehlen.
Das Teil ist nunmal groß, schwerfällig und langsam unterwegs.
Mag sein, dass man auf dem Land damit weniger Probleme hat, in den Vororten, Ballungsgebieten oder gar in den größeren Innenstädten ist ein Wohnmobil jedoch für den Alltagseinsatz eher ungeeignet.
Das beginnt mit den regulären Abmessungen der Standart- Parklücken beim Supermarkt:
Geparkt wird grundsätzlich in den letzten Reihen immer abseits der übrigen Parker.
Sonst riskiert man vielleicht unschöne „Erinnerungen“ durch aufschlagende Fahrzeugtüren oder sich selbstständig machende Einkaufswagen.
Aber das hat auch seine guten Seiten: Immerhin wird so ein illustrer Fußmarsch über die weiten Flächen eines charmanten Supermarktparkplatzes fällig.

     
     Mit dem Wohnmobil am Supermarkt: Immer ganz am Ende des Parkplatzes...


Aber auch die Kosten für Sprit müssen bedacht werden:
Unter Umständen kann sich je nach Entfernung schon ein Kleinwagen als Zweitwagen rechnen, der nur aus dem reinen Einsparpotential des Dieselkraftstoffes finanziert wird.  

Für uns ist jedoch klar, dass wir allfällige Wartungen und Reparaturen künftig in die reisefreien Sommermonate legen werden, denn als temporären Ersatz für einen PKW ist das Womo durchaus brauchbar.
Aber allein der Mehrverschleiß und der Wertverlust mit jedem Kilometer Alltagseinsatz lassen mich trotzdem zum zusätzlichen Kleinwagen neben dem Wohnmobil tendieren.


Kilometerstand Anfang: 178.689 km
Kilometerstand Ende: 178.970 km
Gefahrene Kilometer im Alltagseinsatz: 281

 

 
         
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